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Die einsetzende Verwendung der Volkssprachen als Mittel zur Kommunikation und Wissensverbreitung ist eines der interessantesten Phänomene der Wissensproduktion in Westeuropa während der letzten Jahrhunderte des Mittelalters. Obwohl sich dies im gesamten lateinischen Westen beobachten lässt, haben Wissenschaftshistoriker schon vor einiger Zeit festgestellt, dass dieser Trend in den iberischen Königreichen eine frühe und besonders komplexe Ausbreitung fand, die nördlich der Pyrenäen keine Entsprechung hatte. Inzwischen wissen wir, dass unter allen iberischen Sprachen das Katalanische schnell eine besondere Lebendigkeit zeigte, insbesondere wenn man die im Vergleich zu den umliegenden Sprachregionen immer nur recht begrenzte Anzahl von Sprechern in Betracht zieht.

Die zunehmende Verwendung der Volkssprachen, darunter des Katalanischen, in der Verbreitung der Medizin bzw. allgemein der Wissenschaften im mittelalterlichen lateinischen Europa war ein Phänomen, das in enger Verbindung zu den im Herzen der westlichen Gesellschaft des Spätmittelalters stattfindenden Veränderungen stand, ebenso wie zu der Entwicklung neuer medizinischer und wissenschaftlicher Systeme. Es scheint, dass die unterschiedlichen regionalen Rhythmen in beiden Bereichen für die verschiedenen Entwicklungen dieses Phänomens entscheidend sind. So kann man zum Beispiel feststellen, dass die Phase des Wohlstands, von der das Kaufmannsbürgertum in den Küstenregionen des Königreichs Aragon profitierte, das sehr engagiert entlang der wichtigsten Handelsrouten im Mittelmeer reiste, mit der Herrschaftszeit bestimmter Herrscher zusammenfiel, von Jakob I. (1213-1276) bis zu Martin I. (1397-1410), die Problemen von Gesundheit und Medizin bzw. im Allgemeinen der Förderung aller Wissenschaftsgebiete besondere Aufmerksamkeit schenkten. Dieses Bürgertum und diese Herrscher förderten jene neuen wissenschaftlichen und medizinischen Systeme zu genau dem Zeitpunkt, als diese anfingen sich zu verbreiten.

Quelle: Lluís Cifuentes, La ciència en català a l’Edat Mitjana i el Renaixement, „Col·lecció Blaquerna“ 3 (Barcelona-Palma de Mallorca: Universitat de Barcelona-Universitat de les Illes Balears, 22006), S. 27 and 35-36.

Vergleicht man die soziale Gegenwart der Volkssprache in der Verbreitung wissenschaftlichen und technischen Wissens vom Beginn des 14. Jahrhunderts an mit dem Latein der offiziellen Wissenschaft der Universitäten und der Kirche, so erkennt man einen Grund, warum Llull das Katalanische schon von einem frühen Zeitpunkt (also von 1274) an für seine wissenschaftlichen, philosophischen und theologischen Schriften verwendete. Llull richtete sich in der Volkssprache an dieselbe städtische Öffentlichkeit, Bürger oder Aristokraten, die auch die technische Prosa der Abhandlungen zur Gesundheit, Astrologie oder zur Wirtschaft rezipierte, deren Existenz uns bekannt ist.

 

enllaç UB Centre de Documentació Ramon Llull