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Die Ars war gleichzeitig eine Kunst zur Bekehrung und Demonstration und eine Kunst der Kontemplation. Von der Zeit des Buches der Kontemplation hin zu der Kunst der Kontemplation entwickelte Llulls Mystik den zweiten Aspekt der Ars und präsentierte sich dabei in erster Linie als Methode des Gebets und der Kontemplation, deren Herzstück die Theorie der göttlichen Würden war. Die Würden sollten in ihrer wechselseitigen Zirkularität betrachtet werden, jede einzelne in den anderen, in dem Grad, in dem sie selbst etwas Einzelnes darstellten und zusammen mit Gott. Im Buch vom Liebenden und dem Geliebten und im Buch der Philosophie der Liebe werden sie durch eine wunderbare und subtile Lehre der Liebe ergänzt: „“Sag uns, Narr, was ist Liebe?“ Er antwortete, dass Liebe das sei, was freie Menschen in Ketten legt und denjenigen, die in Ketten liegen, Freiheit schenkt. Die Frage ist, was ist näher dran an der Liebe: Freiheit oder Ketten?“ (Vers 295) „Die Liebe hat sich zwischen Furcht und Hoffnung ihre Heimat geschaffen, wo sie dadurch lebt, dass man an sie denkt, wo sie aber durch Vergessenheit stirbt…“ (Vers 17).

Das Fundament von Llulls Mystik war Erkenntnis, ihren Höhepunkt aber erreichte sie in der Liebe. Ein ständiges Zwischenspiel von Erinnerung, Verstand und Wille bildet dabei den Mittelpunkt der Handlung für den Liebenden, und in diesem, auch für den Geliebten. Verstand und Wille, Wissenschaft und „amància“ [„die Kunst des Liebens“] – ein Wort, das Llull neu kreierte, im Unterschied zu „ciència“ [„Wissenschaft“ oder „Wissen“] und durch das er seine theoretisch-praktische Konzeption der Liebe zum Ausdruck brachte – ergänzten sich untereinander auf dialektische Weise, wobei die ersten beiden den letzten beiden dienten. Der Verstand, der den Weg des Liebenden bereitete, und der Wille, der ihn in die Tat umsetzte, waren gleichzeitig Teil der „Reise“ des Liebenden hin zum Geliebten: „Der Liebende fragte den Verstand und den Willen, welcher seinem Geliebten am nächsten sei. Beide fingen an zu rennen, und der Verstand erreichte seinen Geliebten vor dem Willen.“ (Vers 19) Dem Verstand kam daher die Rolle zu, den Liebenden zu Gott zu führen. Sobald er aber die Seele zur Schwelle des göttlichen Mysteriums geleitet hat, zieht er sich zurück und überlässt die Seele dem Willen. Dann endet der Diskurs und die Liebe bleibt alleine zurück. „Die Liebe erleuchtete die Wolke zwischen dem Liebenden und dem Geliebten und machte sie leuchtend und scheinend wie der Mond in der Nacht und der Morgenstern zu Tagesbeginn, die Sonne am Tag und der Verstand im Willen. Durch diese strahlende Wolke sprechen der Liebende und der Geliebte miteinander.“ (Vers 123)

Die Kontemplation von Geschöpfen spielt eine vergleichsweise nachgeordnete Rolle in Llulls Mystik. Die Geschöpfe spiegeln natürlich die Vollkommenheit des Schöpfers, da sie nach dem Bildnis der göttlichen Würden erschaffen sind. Die Seele sollte aber in ihrer Tätigkeit nicht an dieser Stelle aufhören, sondern danach streben, sie hinter sich zu lassen und sich selbst zu Gott zu erheben: „Der Liebende sah eine wunderschöne Blume, die sein Geliebter geschaffen hatte und sagte zu der Blume, ihre Schönheit habe ihn dazu gebracht, über die Schönheit seines Geliebten nachzudenken. Daher sagte die Blume zu dem Liebenden, er habe keine großen und andauernden Gedanken an den Geliebten. Derjenige nämlich, der nur an seinen Geliebten denkt, entsprechend den Eigenschaften des Geliebten und der Natur und des Wesens der Liebe, der hat wahrlich liebende Gedanken.“ (Buch der Philosophie der Liebe)

Quelle: Eusebi Colomer, El pensament als Països Catalans durant l’Edat Mitjana i el Renaixement (Barcelona: Institut d’Estudis Catalans, 1997), S. 27-28.

 

enllaç UB Centre de Documentació Ramon Llull